Roman: Rock mich!

 

Kurzbeschreibung

Antonia ist in Rocky verliebt seit sie denken kann. Rocky, den sie als Kind an die Teppichklopfstange gefesselt hat.                     Den coolen, unangepassten, leichtsinnigen Rocky mit dem wilden Lockenkopf, dessen Mutter einmal »Miss Elbe« war und der bald aus der Schule verschwindet, nicht wegen seiner Diebstähle und Pöbeleien, sondern um in der Großstadt Berlin der letzte Eisschnelllaufmeister der DDR zu werden.                                   Als sie sich wiedertreffen, sind sie alt genug für Cocktails in der Disko, spontane Spritztouren nach Paris, Sex in Krakau und fürs Heiraten - bloß dass Rocky gerade einer anderen versprochen hat, ihr mit dem Schein vom Standesamt aus der Patsche zu helfen. Antonia wird schwanger, verschweigt ihm aber seine Vaterschaft und kümmert sich mit Freunden um den kleinen Oskar. Aus ihrer Familie ist sie Zweckbündnisse gewohnt, und so lange Rocky immer wieder auftaucht, um ihr Leben richtig durchzurocken, läuft alles gut. Bis Rocky einen fatalen Fehler begeht.                          

»Rock mich« ist eine rasante Geschichte vom schnellen, bedenkenlosen Leben und von der brutalen Heftigkeit des Erwachsenwerdens.


Leseprobe:

Unsere Liebe fing gut an, aber der Zeitpunkt war schlecht.
Rocky baute einen Motorradunfall, brach sich den Arm und auch gleich seine Lehre auf dem Bau ab, und jobbte in einem der neu gebauten Kaufhauscenter am Stadtrand. Rocky sortierte Waren in die Regale und fand heraus, wie er Dinge mitgehen lassen konnte, ohne dass es auffiel: Er machte Verpackungen kaputt, zerkratzte Hüllen oder brach Ecken ab, um die Sachen auszusortieren und auf dem Heimweg aus dem Müll zu fischen. Er hatte Spaß daran, unbeaufsichtigte Einkaufswagen mitsamt den Waren zur Station zurückzuschieben, nicht nur um die Mark zu kassieren, sondern vor allem, um die blöden Gesichter der Leute zu sehen.

Im Mediacenter in Hellerau konnte er sich überhaupt nicht mehr blicken lassen. Dort hatte er sich CDs und anderen Kram in die Unterhose gesteckt und sich auch sonst so auffällig benommen, dass ein Kaufhausdetektiv aufmerksam wurde. An der Kasse bezahlte Rocky einen Schokoriegel und spazierte damit an der Verkäuferin vorbei. Kaum war er draußen, zog er die CDs aus der Unterhose und winkte damit. Der Detektiv sprang über das Drehkreuz und Rocky rannte ohne zu zögern über die dicht befahrene Straße. Der Detektiv lief ungeduldig hin und her und suchte nach einer Lücke zwischen den fahrenden Autos. Über die Autodächer hinweg sah Rocky ihm in die Augen, ließ langsam seine Hose runter, wobei noch mehr Diebesgut herausfiel, und wedelte mit dem Schwanz. Als der Detektiv ihm den Mittelfinger zeigte, kickte Rocky die geklauten Sachen auf die Straße, wo sie von Autoreifen zermalmt wurden.
Rocky erzählte mir davon, als hätte er eine Heldentat vollbracht. Weil ich darüber nur den Kopf schüttelte, zog er los und machte noch mehr von diesem Quatsch....

 

Erschienen im Mitteldeutschen Verlag,  ISBN 978-3-89812-430-0



Lesungen:

Dienstag 20.3.07      

20.30 Uhr im Cafe "Roter Horizont" in Halle

   

 
Samstag 24. 3.07

ab 21.00 Uhr im Cafe " Noch besser Leben" in Leipzig

 
Sonntag 25.3.07

ab 12.30 Uhr: Lesung auf der Leipziger Buchmesse

im Forum / Halle 5 / Stand D504

 
Freitag 23.4.07

19.00 Uhr in der Karl-Preusker-Bücherei in Großenhain

 
Montag 24.9.07

20.30Uhr im Buchhändlerkeller in der Carmerstraße 1 in Berlin     

 

                                     http://www.buchhaendlerkeller-berlin.de/aktuellesprog.html

Dienstag 2.10.07              20.30Uhr im Transit in Hamburg   
                                                 http://www.transit-fuer-alle.de/
Mittwoch 19.12.07           Release-Party der Hörbar Berlin im Kaffee Burger in Berlin
                                              
Donnerstag 31.1.08        20 Uhr im Literaturcafé der Kunsthalle Tübingen
Dienstag 26.2.08              20.30 Uhr im Haus 73 in Hamburg mit Sonja Polligkeit
                                             "Vergiss nicht mich zu vergessen"
Mittwoch 3.12.08              Bibliothek in Wollmirstedt
Donnerstag 4.12.08         Kulturfabrik Haldensleben
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3. Platz im Literaturwettbewerb
des Magazins für Wiener Alltagskultur - Die Melange / 2005
mit der Kurzgeschichte: "Marit und ich"
Marit und ich  

Das Floß treibt auf die Mitte des Sees zu. Marit nimmt Anlauf und springt vom Ende des Steges ins Wasser. Sie bleibt ewig unter Wasser. Als sie endlich auftaucht, liegt das Floß schon hinter ihr. Sie muss zurück schwimmen, um es zu erreichen. Sie zieht sich hoch und setzt sich drauf. Ihr Körper ist schmal und braungebrannt, wie meiner. Den ganzen Sommer haben wir am See verbracht. Heute ist der erste Tag, an dem die anderen nicht mit dabei sind. Der Sommer geht seinem Ende entgegen.

Die Luft ist kühler, das Wasser dunkler und die Bäume streuen ihre Blätter über den See. Marit lässt ihre Beine im Wasser baumeln. Ich sehe wie sie friert. Ihr ganzer Oberkörper ist von Gänsehaut überzogen, die dunklen Brustwarzen sind klein und spitz aufgestellt. Die Sonne ist längst hinter den Baumwipfeln verschwunden. Der See ist in Schatten getaucht.

Ich wünsche mir eines Tages so schön zu sein wie Marit. Alles was ich von ihr weiß, ist, dass sie mit meinem großen Bruder in die Klasse geht. Und dass er in sie verliebt ist. Ich glaube alle Jungs aus der Klasse sind in sie verliebt. Ich wäre gern ihre Freundin. Aber ich bin zu jung. Ich bin elf und  mein Bruder nimmt mich nur mit, weil ich ihm so ähnlich sehe und alle mich für seinen kleinen Bruder halten. Dabei bin ich seine Schwester.

Marit ruft meinen Namen und winkt mir zu. Ich soll zu ihr aufs Floß kommen. Sie nennt mich „Henry“, alle nennen mich so. Keiner weiß, dass das die Abkürzung von Henriette ist. Und ich hab es auch niemandem erzählt. Sonst hätte mein Bruder mich nicht mehr mitgenommen. In seiner Clique sind nämlich nur Jungs, außer Marit. Ich trau mich nicht auf den See hinaus zu schwimmen. Er ist so dunkel, da wo es tief ist. Also laufe ich den Steg entlang bis zum Ende. Marit paddelt das Floß mit den Beinen heran.

Zwischen Floß und Steg schwappt ein breiter Streifen tiefgrünen Wassers. Marit breitet die Arme aus, um mir zu zeigen, dass sie mich auffängt. Ohne nachzudenken springe ich zu ihr aufs Floß. Es wackelt ein bisschen, aber ich bin zu leicht, als dass es kentern könnte. Ich setze mich neben sie. Gemeinsam paddeln wir das Floß auf den See hinaus. Neben ihr sieht meine Haut richtig blass aus. Meine Knie sind im Vergleich zu ihren knorrig wie Aststümpfe. Ihr ist anzusehen, dass sie auf dem Weg dazu ist eine Frau zu werden. Meine Brustwarzen haben noch nicht einmal damit angefangen sich zu erheben. Sie sehen auch dann nicht nach echten Frauenbrüsten aus, wenn ich die Haut drum herum mit beiden Händen vor quetsche.

Die Freundinnen, die Marit manchmal mitgebracht hat, trugen Bikinis in leuchtenden Farben und Silberketten an den Fußgelenken. Ich hätte gern mit ihnen auf dem Steg gesessen, geredet und gelacht. Wenn die Jungs unter den Steg getaucht sind, um die Mädchen an den Knöcheln zu fassen und ins Wasser zu ziehen, hätte ich mich nicht dagegen gewehrt.  „Ich werde fort ziehen.“ sagt Marit, „Mein Vater hat eine Arbeit in einer anderen Stadt gefunden. Dein Bruder weiß noch nichts davon.“ Sie sieht mich ruhig an. Ihre Augen spiegeln die Farbe des Sees wieder oder verhält es sich andersherum? Ich zucke die Achseln.     „Ich hab deinen Bruder ziemlich gern, weißt du?“ sagt Marit.

Ich denke an die Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte, weil mein Bruder ihren Namen in die Kissen murmelte. Er bildete sich ein, wenn er stark genug an sie denken würde, dann würde sie ihn hören, er musste sich nur ihr Gesicht vorstellen in allen Einzelheiten, dann konnte er ihr sagen was er fühlte und dachte, sie würde es verstehen. Am nächsten Tag war aber alles wie immer, nichts von dem was mein Bruder in der Nacht mit Marit besprochen hatte, war in ihren Augen wiederzufinden. Ehrlich gesagt war meinem Bruder auch nicht viel davon anzumerken. Er tat ganz gelangweilt und ließ sich genau wie die anderen Jungen laut grölend von dem überhängenden Ast eines Baumes in den See plumpsen.

„In der neuen Wohnung kriege ich ein eigenes Zimmer. Mit Balkon.“ sagt Marit. „Da kann ich direkt auf die Einkaufsstraße runter spucken.“  Ich kann mir Marit gut auf einem Balkon vorstellen. Hoch über den Köpfen der Passanten. Sie streicht die nassen Haarspitzen nach hinten und sieht mich mit ihren Seeaugen an. „Du siehst deinem Bruder ganz schön ähnlich.“ sagt sie, nimmt meine Hand und legt sie auf eine ihrer weichen Brüste. Dann beugt sie sich zu mir und küsst mich auf den Mund. Das ist mein erster Kuss, den ich auf den Mund kriege. Mir wird schwindlig davon. Auf einmal guckt mich Marit  erschrocken an, wuschelt mir durch die Haare, wie wenn man ein Meerschweinchen streichelt, springt ins Wasser und taucht Richtung Ufer, wo unsere Handtücher liegen. Ich sehe die Schemen ihres nackten Körpers gelbgrün herauf schimmern. Von Weitem ruft sie mir zu: „Sag ihm, dass ich ihn vermissen werde!“ Sie nimmt ihre Sachen und verschwindet zwischen den Büschen zur Straße hin.

Ich sitze auf dem Floß in der Mitte des Sees und versuche es mit den Beinen

zum Steg zu paddeln. So recht komm ich nicht vom Fleck, das Floß dreht sich

immer wieder um sich selbst.